Papa

Ehrlich gesagt habe ich nie wirklich einen Gedanken daran verschwendet, irgendwann mal eines dieser Scheidungskinder zu sein. Der Gedanke, dass die Menschen, die in den eigenen Augen für immer zusammen bleiben müssen, irgendwann als Eins nicht mehr existieren würden, ist auch jetzt noch befremdlich, obwohl es schon über ein Jahr her ist und ich mit meinen 20 Jahren eigentlich rationaler und erwachsener an die Sache herantreten sollte. Wenn es aber um die Trennung der eigenen Eltern geht, bleibt man acht und bockig und alles andere als verständnisvoll.
Die Umstände waren mehr als unschön. Schön sind sie vermutlich nie, aber so scheiße halt eben auch nicht.
Dass sich Deine vermeintlich größten Vorbilder trennen, ist schon komisch genug, aber dass das Ganze wegen einer anderen Person samt Kindern passiert, ist befremdlich und verletzend. Zumal ich sie bis heute nicht kenne und ehrlich gesagt auch nicht kennenlernen will. So naiv und stur das auch sein mag. Aber manchmal tut es einfach gut, wütend zu sein.
Mein Vater entschied sich also dazu, seine Frau, seine Kinder, Hund und Hof zurückzulassen, um in ein neuses Leben mit einer Frau zu starten, die er zum damaligen Zeitpunkt ganze acht Wochen kannte.
Der Rausschmiss folgte am 10.10.2013, dem 23. Geburtstag meiner Schwester, nachdem meine Mutter herausfand, was sie schon einmal ertragen musste. Seitdem habe ich meinen Vater ganze dreimal gesehen. Mit vielen Tränen und noch mehr Wut.

Die Frage nach dem ‚Warum?‘ stellte sich mir seitdem so circa dreihundertneunzigmal. Ohne Ergebnis.
Auch die Frage, warum er sich nicht meldet und sich nicht für seine Kinder interessiert, bleibt unbeantwortet.
Man verliert das Vertrauen. Nicht nur in seinen eigenen Vater und andere Menschen sondern auch in sich selbst. Hat man sich wirklich so getäuscht? Kann man seinem eigenen Vater wirklich so egal sein? Ich weiß es nicht. Anscheinend schon. Aber so recht beschäftigen mag man sich damit einfach nicht. Stattdessen stellt man das Prinzip Liebe in Frage.
Beängstigend bleibt, dass man des Öfteren festestellen muss, dass der eigene Vater in Vergessenheit geriet. Spätestems beim Anwalt wird man aber wieder daran erinnert, wie unfair und scheiße alles ist. Und dass man für alles kämpfen muss, das eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Schön ist allerdings wie gut der Rest zusammenhält. Und dass ich mich auf die richtigen Menschen verlassen kann.

Ich wünsche mir einfach, dass Du das liest und irgendwann zur Besinnung kommst. Obwohl schon jetzt feststeht, dass Du das nie wieder gutmachen kannst.

Ein Kind

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4 Gedanken zu “Papa

  1. Gut geschrieben – leider traurig aber wahr.
    Bitte verliere nicht den glauben daran, das es gute Menschen gibt die immer für Ihre Partner da sind. Denn die gibt es. Auch, wenn diese Leute sehr selten sind.
    Alles Gute für Dich und Viel Erfolg bei der Suche nach diesem Partner.
    Ich habe ihn schon gefunden ❤

    Ein Twitter-Follower

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